Kategorie: Gesellschaft

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  • Katherina Reiche: Biografie, Karriere und politische Stationen im Überblick

    Gesellschaft

    Katherina Reiche ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merz. Die CDU-Politikerin kam aus der Energiewirtschaft in das Amt – und sorgt seitdem für Schlagzeilen. Stand: 30. Oktober 2026.

    Die 1973 in Luckenwalde in der DDR geborene Chemikerin vereint zwei Welten: fast zwei Jahrzehnte Berufspolitik im Bundestag, dann ein Jahrzehnt an der Spitze von Energieunternehmen. Kaum eine Ministerin der Republik wurde so kontrovers diskutiert wie sie – als Hoffnungsträgerin der Wirtschaft gefeiert, als Lobbyistin im Ministeramt kritisiert.

    Dieser Beitrag zeichnet die Biografie, die Karriere und alle politischen Stationen von Katherina Reiche nach – nüchtern, faktenbasiert und mit allen Kontroversen, die zu ihrer Geschichte gehören.

    Katherina Reiche beim informellen Treffen der EU-Energieminister
    Katherina Reiche beim informellen Treffen der EU-Energieminister. Foto: Polish presidency of the Council of the EU / Wikimedia Commons, gemeinfrei

    In diesem Artikel

    1. Wer ist Katherina Reiche?
    2. Wie wurde Katherina Reiche Wirtschaftsministerin?
    3. Welche Stationen prägten die Karriere von Katherina Reiche?
    4. Was macht Katherina Reiche als Ministerin?
    5. Wofür steht Katherina Reiche politisch?
    6. Wie lebt Katherina Reiche privat?
    7. Die wichtigsten Stationen von Katherina Reiche im Überblick
    8. Häufige Fragen zu Katherina Reiche
    9. Weiterlesen

    Wer ist Katherina Reiche?

    Katherina Birgitt Reiche wurde am 16. Juli 1973 in Luckenwalde in der DDR geboren. Sie ist eine deutsche Politikerin der CDU, ehemalige Managerin und Lobbyistin – und seit Mai 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie.

    Ihr Lebensweg beginnt im Familienunternehmen: Ihr Vater war technischer Leiter der Firma Hesco, die 1946 von ihrem Großvater Helmut Schulze gegründet, 1972 verstaatlicht und nach der Wende reprivatisiert wurde – die Eltern Klaus und Birgitt Reiche übernahmen den Betrieb. Nach dem Abitur 1992 am Gymnasium Luckenwalde studierte sie Chemie an der Universität Potsdam, der Clarkson University in New York und der Universität Turku in Finnland – Diplom-Chemikerin 1997, danach wissenschaftliche Mitarbeiterin bis 1998.

    Politisch sozialisiert wurde sie früh: 1992 gründete sie den RCDS an der Universität Potsdam mit, trat der Jungen Union bei und wurde 1996 CDU-Mitglied. Von 2001 bis 2015 saß sie im CDU-Landesvorstand Brandenburg, zeitweise auch im Bundesvorstand der Partei. Als Kreisvorsitzende der CDU Potsdam setzte sie sich 2011 mit 97 zu 91 Stimmen gegen Andreas Ehrl durch.

    Was Katherina Reiche von fast allen anderen Ministerinnen unterscheidet: Sie kennt die Wirtschaft nicht aus Anhörungen, sondern von innen. Zehn Jahre führte sie Verbände und Konzerne – eine Erfahrung, die sie im Amt zur Expertin macht und zur Zielscheibe zugleich.

    Wie wurde Katherina Reiche Wirtschaftsministerin?

    Am 28. April 2025 stellte Friedrich Merz Katherina Reiche als designierte Wirtschaftsministerin vor – eine Personalie, die sofort für Aufsehen sorgte. Denn Reiche kam nicht aus der Fraktion, sondern direkt aus der Chefetage der Energiewirtschaft: Bis zu ihrer Ernennung führte sie Westenergie, eine Tochter des E.ON-Konzerns, und stand dem Nationalen Wasserstoffrat vor.

    Am 6. Mai 2025 wurde sie im Kabinett Merz zur Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ernannt – und löste damit Robert Habeck ab, der das Haus zuvor als Minister für Wirtschaft und Klimaschutz geführt hatte. Der Wechsel markierte auch einen Kurswechsel: weg von der grünen Transformationspolitik, hin zu einer stärker industrie- und versorgungsorientierten Linie.

    Kritiker wiesen sofort auf ihre Vergangenheit hin: Im Lobbyregister 2024/2025 war sie als Lobbyistin für die Westenergie AG eingetragen. Dass eine ehemalige Energielobbyistin nun das Energieressort führt, nannten Beobachter einen klassischen Fall des „Drehtür“-Effekts zwischen Wirtschaft und Politik.

    Reiche selbst konterte mit Kompetenz: Niemand kenne die Energiewirtschaft so gut wie sie, niemand könne die Versorgungssicherheit des Landes besser organisieren. Die Debatte über ihre Person begleitet sie seitdem – und wird sie vermutlich bis zum Ende ihrer Amtszeit nicht loslassen.

    Katherina Reiche beim Karlspreis-Europa-Forum 2026
    Katherina Reiche beim Karlspreis-Europa-Forum am 13. Mai 2026. Foto: Grunpfnul / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    Welche Stationen prägten die Karriere von Katherina Reiche?

    Der erste Karriereabschnitt war die klassische Parlamentslaufbahn: Von 1998 bis 2015 saß Katherina Reiche im Bundestag. Von 2005 bis 2009 war sie stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, von 2009 bis 2013 Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium – zunächst unter Norbert Röttgen, ab 2012 unter Peter Altmaier. Von 2013 bis 2015 diente sie als Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium, bevor sie ihr Mandat zum 4. September 2015 niederlegte.

    Dann der Bruch mit der Politik – und der Aufstieg in der Wirtschaft: Von 2015 bis 2019 war sie Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), ab dem 1. Januar 2020 Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie (innogy/E.ON). Im Juni 2020 übernahm sie zusätzlich den Vorsitz des Nationalen Wasserstoffrats – und wurde 2021 mit dem Mestemacher-Preis als „Managerin des Jahres“ ausgezeichnet.

    Es war eine Bilderbuchkarriere in der Energiewirtschaft: Die ehemalige Staatssekretärin wurde zur gefragten Managerin, die Lobbyistin zur Wasserstoff-Expertin. Dass sie 2025 in die Politik zurückkehrte, überraschte viele – dass sie ausgerechnet das Wirtschafts- und Energieministerium übernahm, niemanden.

    Seit April 2025 trägt sie zudem den Titel Professorin ehrenhalber (Prof. h.c.) des Management Center Innsbruck (MCI). Eine Karriere zwischen Labor, Parlament und Konzernzentrale – in dieser Kombination einzigartig im deutschen Spitzenpersonal.

    Was macht Katherina Reiche als Ministerin?

    Ihre Amtszeit begann mit klaren Signalen: Im Juli 2025 forderte Katherina Reiche eine längere Lebensarbeitszeit und mehr private Altersvorsorge – und wiederholte im November 2025 die Warnung, die gesetzliche Rente werde für Jüngere nicht reichen. Im Dezember 2025 beschloss das Kabinett daraufhin eine Rentenkommission. Energiepolitisch setzte sie auf neue Gaskraftwerke: Zunächst war von mindestens 20 Gigawatt die Rede, nach EU-beihilferechtlichen Bedenken wurde das Ziel auf 12 Gigawatt gekürzt; im Mai 2026 beschloss die Bundesregierung den Bau, die Anlagen sollen bis 2031 entstehen und ab 2045 klimaneutral betrieben werden.

    Doch die Kontroversen ließen nicht lange auf sich warten: Im September 2025 legte ihr Haus einen Monitoringbericht mit einem 10-Punkte-Programm vor – Kritiker monierten Überschneidungen mit Positionspapieren von RWE und E.ON, Greenpeace warf dem Ministerium Manipulation des Berichts vor. Im April 2026 wurde bekannt, dass Reiche sich an EnBW gewandt hatte, um Argumente gegen Batteriespeicher zu erhalten.

    Im Februar 2026 folgte der Entwurf zur EEG-Reform: keine feste Einspeisevergütung mehr für neue Photovoltaikanlagen bis 25 Kilowatt, stattdessen verpflichtende Direktvermarktung. Im März 2026 stellte sie auf der Energiekonferenz CeraWeek in Houston das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050 infrage und warb dafür, eine Lücke von fünf bis zehn Prozent zu akzeptieren.

    Im April 2026 geriet sie im Streit um eine Übergewinnsteuer – vor dem Hintergrund des Irankriegs 2026 – mit der SPD aneinander und wurde sogar in der eigenen Partei kritisiert. Am 18. Dezember 2025 hatte sie noch gemeinsam mit Lars Klingbeil und KfW-Chef Stefan Wintels den Deutschlandfonds mit rund 30 Milliarden Euro Bundesmitteln vorgestellt. 2026 strich ihr Haus soziale und ökologische Indikatoren aus dem Jahreswirtschaftsbericht – ebenfalls unter Kritik. Im Mai 2026 veröffentlichte das Ministerium mit ihrer Billigung einen Videoclip der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Am 24. September 2026 folgte ein Instagram-Video des Ministeriums über Die Linke – das Bundesverfassungsgericht ordnete mit Eilbeschluss vom 14. Oktober 2026 (2 BvE 5/26) an, das Video vorerst zu entfernen. Im Oktober 2026 löste das Ministerium das Referat für Wind-, Solar- und Transformationsindustrien auf – begründet mit „aktuellen industriepolitischen Prioritäten“.

    Katherina Reiche Porträt
    Katherina Reiche. Foto: CDU / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

    Wofür steht Katherina Reiche politisch?

    Katherina Reiche steht für eine wirtschaftsliberale CDU-Linie: Versorgungssicherheit vor Klimasymbolik, Marktwirtschaft vor Staatsdirigismus, Eigenverantwortung vor Umverteilung. Ihre Rhetorik ist die der Managerin – Zahlen, Fakten, Machbarkeit.

    In der Energiepolitik setzt sie auf Technologieoffenheit und einen pragmatischen Mix: Gaskraftwerke als Brücke, Wasserstoff als Zukunft, aber Skepsis gegenüber einem überstürzten Ausbau der Erneuerbaren ohne gesicherte Grundlast. Kritiker sehen darin einen Rückschritt hinter die Klimaziele; Befürworter eine notwendige Korrektur nach Jahren ideologischer Energiepolitik.

    Sozialpolitisch vertritt sie unbequeme Positionen: längeres Arbeiten, mehr private Vorsorge, weniger Vertrauen in die gesetzliche Rente. Das macht sie bei Wirtschaftsverbänden beliebt – und bei Gewerkschaften und Sozialverbänden zur Reizfigur.

    Ihre politische Handschrift ist unverkennbar die einer Quereinsteigerin: direkt, entscheidungsfreudig, wenig zimperlich im Umgang mit Widerständen. Ob das im Berliner Politikbetrieb auf Dauer trägt, wird sich zeigen – die erste Bilanz nach eineinhalb Jahren fällt gemischt aus.

    Innerhalb der Union gilt sie als Vertreterin des wirtschaftsliberalen Flügels – geschätzt von der Mittelstands-Union, beäugt von den sozialpolitisch orientierten Kräften der Partei. Ihr Stil erinnert manche an die Manager-Generation der 2000er-Jahre: leistungsorientiert, zahlengetrieben, wenig sentimental.

    Wie lebt Katherina Reiche privat?

    Katherina Reiche heiratete 2003 den CDU-Politiker Sven Petke; das Paar hat drei Kinder. Im April 2025 wurde über den gemeinsamen Anwalt Christian Schertz bekannt, dass sie mit dem ehemaligen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg liiert ist – eine Nachricht, die bundesweit Schlagzeilen machte.

    Die Verbindung zweier bekannter politischer Namen sorgte für wochenlange Medienberichterstattung. Reiche selbst äußerte sich dazu nur knapp und verwies auf ihr Recht auf Privatsphäre – ein Recht, das ihr in der aufgeheizten Debatte um ihre Person nicht immer zugestanden wurde.

    Abseits der Schlagzeilen gilt sie als disziplinierte Arbeiterin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund – eine Chemikerin im Ministeramt, die Probleme gern in Reaktionsgleichungen denkt: Input, Output, Wirkungsgrad.

    Katherina Reiche im Mai 2025
    Katherina Reiche im Mai 2025. Foto: European Union / Wikimedia Commons, Namensnennung (Attribution)

    Die wichtigsten Stationen von Katherina Reiche im Überblick

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich dokumentierten Stationen im Leben von Katherina Reiche zusammen.

    Zeitraum Station Details
    16. Juli 1973 Geburt Geboren in Luckenwalde, DDR
    1992 Abitur Gymnasium Luckenwalde
    1992–1997 Studium Chemie (Potsdam, Clarkson University New York, Turku); Diplom-Chemikerin 1997
    1992 RCDS Mitgründerin RCDS Uni Potsdam; Junge Union
    1996 CDU Parteimitglied
    1998–2015 Bundestag MdB
    2005–2009 Fraktion Stellv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende
    2009–2013 Staatssekretärin Parlamentarische Staatssekretärin BMU (unter Röttgen, ab 2012 Altmaier)
    2013–2015 Staatssekretärin Parlamentarische Staatssekretärin BMVI; Mandatsverzicht 4.9.2015
    2015–2019 VKU Hauptgeschäftsführerin Verband kommunaler Unternehmen
    2020–2025 Westenergie Vorsitzende der Geschäftsführung; Vorsitz Nationaler Wasserstoffrat ab Juni 2020
    2021 Auszeichnung Mestemacher-Preis „Managerin des Jahres“
    28.4.2025 Designiert Als Wirtschaftsministerin vorgestellt
    6.5.2025 Ministerin Bundesministerin für Wirtschaft und Energie (Kabinett Merz)
    2025–2026 Amtszeit Rentenkommission; Gaskraftwerke; EEG-Reform; BVerfG-Beschluss 14.10.2026
    privat Familie Verheiratet 2003 mit Sven Petke, drei Kinder; Beziehung mit Karl-Theodor zu Guttenberg (bekannt seit April 2025)

    Häufige Fragen zu Katherina Reiche

    Seit wann ist Katherina Reiche Wirtschaftsministerin?

    Katherina Reiche ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merz. Sie wurde am 28. April 2025 als designierte Ministerin vorgestellt und löste Robert Habeck ab.

    Was war Katherina Reiche, bevor sie Ministerin wurde?

    Vor ihrer Ernennung war Katherina Reiche Managerin in der Energiewirtschaft: Von 2015 bis 2019 führte sie als Hauptgeschäftsführerin den Verband kommunaler Unternehmen (VKU), ab 2020 war sie Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie und stand dem Nationalen Wasserstoffrat vor. Zuvor saß sie von 1998 bis 2015 im Bundestag. Ausgebildet ist sie Diplom-Chemikerin.

    Warum ist Katherina Reiche umstritten?

    Katherina Reiche ist umstritten, weil sie aus der Energielobby ins Energieministerium wechselte – im Lobbyregister 2024/2025 war sie als Lobbyistin für Westenergie eingetragen. Kritik gab es unter anderem an Überschneidungen eines Monitoringberichts mit Positionspapieren von RWE und E.ON, an einer Anfrage an EnBW zu Argumenten gegen Batteriespeicher und an einem Instagram-Video des Ministeriums, das das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2026 per Eilbeschluss entfernen ließ.

    Welcher Partei gehört Katherina Reiche an?

    Katherina Reiche gehört der CDU an – seit 1996. Sie war unter anderem stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende (2005–2009) und saß im CDU-Bundesvorstand.

    Ist Katherina Reiche verheiratet?

    Katherina Reiche heiratete 2003 den CDU-Politiker Sven Petke; das Paar hat drei Kinder. Im April 2025 wurde bekannt, dass sie mit dem ehemaligen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg liiert ist.

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  • Julia Klöckner: Biografie, Karriere und politische Stationen im Überblick

    Gesellschaft

    Julia Klöckner ist seit dem 25. März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Die CDU-Politikerin war zuvor Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und gehört zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Partei. Stand: 30. Oktober 2026.

    Die 1972 in Bad Kreuznach geborene Rheinländerin hat einen der ungewöhnlichsten Lebensläufe im deutschen Spitzenpersonal: Von der Deutschen Weinkönigin über den Journalismus in die Politik – und von dort an die Spitze des Parlaments. Dieser Beitrag zeichnet die Biografie, die Karriere und alle politischen Stationen von Julia Klöckner nach.

    Was Julia Klöckner auszeichnet, ist ihre Nahbarkeit: Sie spricht die Sprache der Menschen, nicht die der Apparate. Ob als Weinkönigin im Weinberg, als Ministerin im Berliner Regierungsviertel oder heute als zweite Frau an der Spitze des Bundestages – sie blieb sich treu. Und genau das macht ihre Geschichte so erzählenswert.

    Julia Klöckner beim ZDF-Interview 2016
    Julia Klöckner beim ZDF-Interview in der Wahlnacht zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

    In diesem Artikel

    1. Wer ist Julia Klöckner?
    2. Wie wurde Julia Klöckner Bundestagspräsidentin?
    3. Welche Stationen prägten die Karriere von Julia Klöckner?
    4. Was machte Julia Klöckner als Ministerin?
    5. Wofür steht Julia Klöckner politisch?
    6. Wie lebt Julia Klöckner privat?
    7. Die wichtigsten Stationen von Julia Klöckner im Überblick
    8. Häufige Fragen zu Julia Klöckner
    9. Weiterlesen

    Wer ist Julia Klöckner?

    Julia Klöckner wurde am 16. Dezember 1972 in Bad Kreuznach geboren. Sie ist eine deutsche Politikerin der CDU und seit März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages – nach Bärbel Bas die zweite Frau in diesem Amt, und erstmals folgt eine Frau auf eine Frau.

    Aufgewachsen ist sie in Guldental an der Nahe, als Tochter des Winzers Aloys Klöckner. Der Weinberg war ihr erstes Zuhause, die Weinkultur ihre erste Sprache. Nach dem Abitur 1992 am Gymnasium an der Stadtmauer in Bad Kreuznach studierte sie Politikwissenschaft, katholische Theologie und Pädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Magistra Artium 1998, mit einer Arbeit über die europäische Weinmarktpolitik.

    Was damals kaum jemand ahnte: Die junge Frau aus dem Weindorf würde einmal das zweithöchste Staatsamt der Republik bekleiden. Doch Julia Klöckner hat ihre Herkunft nie verleugnet – im Gegenteil. Der rheinische Frohsinn, die Bodenhaftung, das Gespür für Menschen: All das nahm sie mit nach Berlin.

    Bevor die Politik sie ganz vereinnahmte, machte sie sich einen Namen als Journalistin: Hospitantin beim SWR in Mainz 1998, freie Mitarbeiterin für Landeskultur bis 2002, Volontariat beim Meininger Verlag 1999/2000, Redakteurin der „Weinwelt“ 2000 bis 2002 und Chefredakteurin des „Sommelier-Magazins“ von 2001 bis 2009. Wer über Wein schreiben kann, so sagt man, kann auch über Politik schreiben – Julia Klöckner bewies es.

    Wie wurde Julia Klöckner Bundestagspräsidentin?

    Am 25. März 2025 wählte der Deutsche Bundestag Julia Klöckner zu seiner Präsidentin. Das Ergebnis: 382 Ja-Stimmen bei 204 Nein-Stimmen und 5 ungültigen Stimmen, von 622 abgegebenen Stimmen bei 630 Mitgliedern – 61,9 Prozent. Ein solides, aber kein überragendes Ergebnis; Beobachter sprachen vom schwächsten Resultat in diesem Jahrhundert.

    Die Wahl war auch ein Symbol: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik folgt eine Frau auf eine Frau an der Spitze des Parlaments. Ihre Vorgängerin Bärbel Bas (SPD) hatte das Amt mit großem Ansehen geführt. Dass die CDU als stärkste Fraktion nun die Nachfolge stellte, war parlamentarische Tradition – die Person Julia Klöckner aber eine bewusste Wahl.

    Zu ihren Stellvertretern wurden Andrea Lindholz (CDU/CSU), Josephine Ortleb (SPD), Omid Nouripour (Grüne) und Bodo Ramelow (Linke) gewählt. Vor ihrer Wahl hatte Julia Klöckner das Amt der CDU-Bundesschatzmeisterin aufgegeben, das sie seit 2022 innegehabt hatte – ein Amt, das sich mit der überparteilichen Rolle an der Bundestagsspitze nicht verträgt.

    Die Präsidentin des Bundestages ist die protokollarisch zweithöchste Repräsentantin des Staates – nach dem Bundespräsidenten. Sie leitet die Sitzungen, wahrt die Ordnung im Haus und vertritt das Parlament nach außen. Für Julia Klöckner, die so lange für Ämter gekämpft hatte, war es die Krönung einer langen Karriere – und zugleich ein Amt, das Überparteilichkeit verlangt, eine für sie neue Rolle.

    Julia Klöckner auf dem CDU-Parteitag 2014
    Julia Klöckner auf dem CDU-Parteitag 2014. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

    Welche Stationen prägten die Karriere von Julia Klöckner?

    Der Einstieg in die Bundespolitik gelang früh: Von 2002 bis 2011 saß Julia Klöckner erstmals im Bundestag. Von 2009 bis 2011 diente sie als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium unter Ilse Aigner – und trat am 15. Februar 2011 zurück, um sich ganz auf Rheinland-Pfalz zu konzentrieren.

    Denn dort wartete die eigentliche Bewährungsprobe: Am 25. September 2010 wurde sie mit 96,9 Prozent zur CDU-Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz gewählt. Als Spitzenkandidatin zog sie 2011 und 2016 in die Landtagswahlen – und führte die CDU-Fraktion im Landtag von 2011 bis 2018. Es waren Jahre des Aufbaus, aber auch der Niederlagen: Das rote Rheinland-Pfalz blieb für die CDU unerreichbar.

    Bundespolitisch stieg sie dennoch auf: Von 2012 bis 2022 war Julia Klöckner stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende – ein Jahrzehnt in der engsten Führungsspitze der Partei. Nach ihrer Rückkehr in den Bundestag 2021 wurde sie wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion in der 20. Wahlperiode, und von 2022 bis März 2025 verwaltete sie als Bundesschatzmeisterin die Finanzen der Partei.

    Was ihre Karriere so bemerkenswert macht, ist ihre Beharrlichkeit: Niederlagen in Rheinland-Pfalz, das Ende der Ministerzeit 2021, Jahre in der Opposition – Julia Klöckner blieb. Und wurde schließlich mit dem zweithöchsten Amt des Staates belohnt. Manchmal, so scheint es, zahlt sich Durchhaltevermögen aus.

    Was machte Julia Klöckner als Ministerin?

    Am 14. März 2018 wurde Julia Klöckner zur Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Merkel IV ernannt. Es war ein Amt wie für sie gemacht: die Winzertochter als oberste Verantwortliche für Landwirtschaft und Ernährung – bodenständiger geht es kaum.

    Ihre Amtszeit war geprägt von schwierigen Debatten: um das Insektensterben und den Artenschutz, um die Zukunft der Tierhaltung, um Glyphosat und um die europäische Agrarpolitik. Julia Klöckner setzte auf Dialog statt auf Verbote – ein Ansatz, der ihr Lob von den Bauernverbänden, aber auch scharfe Kritik von Umweltorganisationen einbrachte.

    Nach der Bundestagswahl 2021 blieb sie ab dem 26. Oktober 2021 geschäftsführend im Amt, bis Cem Özdemir (Grüne) sie am 8. Dezember 2021 ablöste. Das Ende einer Ära – und für Julia Klöckner der Beginn einer Neuorientierung, die sie über die Fraktionsspitze schließlich an die Spitze des Bundestages führen sollte.

    Rückblickend gilt ihre Ministerzeit als ambivalent: Nahbar im Auftritt, umstritten in der Sache. Doch wer sie unterschätzte, hatte sie nicht verstanden. Die Weinkönigin von einst hatte längst bewiesen, dass sie mehr konnte als repräsentieren – sie konnte regieren.

    Bemerkenswert war auch ihr Kommunikationsstil: Julia Klöckner nutzte die sozialen Medien früh und intensiv, scheute keine Debatte und stellte sich der Kritik – auch der harschen. Das machte sie angreifbar, aber auch glaubwürdig: eine Ministerin, die zuhört, statt sich zu verstecken.

    Julia Klöckner bei Hart aber fair 2024
    Julia Klöckner in der Sendung „Hart aber fair“ im Mai 2024. Foto: Superbass / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    Wofür steht Julia Klöckner politisch?

    Julia Klöckner steht für eine CDU der Mitte mit ländlichen Wurzeln: für die Landwirtschaft und den Mittelstand, für das Ehrenamt und die Regionen abseits der Metropolen. Ihre Politik war stets geprägt vom Blick auf das Land – auf die Dörfer, die Höfe, die kleinen Betriebe.

    Als Ministerin setzte sie auf Freiwilligkeit statt auf Ordnungsrecht – ein Ansatz, der zum Markenkern ihrer Amtszeit wurde. Kritiker nannten es Zaghaftigkeit, Befürworter nannten es Vernunft. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen: Julia Klöckner wollte die Landwirtschaft mitnehmen statt sie zu überfordern.

    In der Partei galt sie lange als Vertreterin eines modernisierten Konservatismus: wirtschaftsnah, gesellschaftspolitisch offen, mit einem feinen Gespür für Stimmungen. Ihre rheinische Art – herzlich, direkt, humorvoll – machte sie zu einer der beliebtesten CDU-Politikerinnen ihrer Generation.

    Als Bundestagspräsidentin muss sie nun über den Parteien stehen. Es ist eine Rolle, die Neutralität verlangt – und die ihr die Chance gibt, das zu zeigen, was sie immer auszeichnete: Fairness im Umgang, auch mit dem politischen Gegner. Das Amt könnte zu ihr passen wie kaum ein anderes.

    Wie lebt Julia Klöckner privat?

    Das Privatleben von Julia Klöckner stand oft im Rampenlicht: Von 2000 bis 2017 war sie mit dem Medienmanager Helmut Ortner liiert. Im April 2019 heiratete sie in Südafrika; die kirchliche Trauung folgte im September 2019 in ihrem Heimatort Guldental. 2023 trennte sich das Paar.

    Im August 2025 wurde bekannt, dass Julia Klöckner mit dem Fernsehmoderator Jörg Pilawa liiert ist – eine Nachricht, die in den Medien für Aufsehen sorgte und die beiden zu einem der bekanntesten Paare der Republik machte.

    Trotz aller Öffentlichkeit hat Julia Klöckner ihre Wurzeln nie vergessen: Guldental an der Nahe blieb ihr Bezugspunkt, der Wein ihre Leidenschaft. Wer sie privat erlebt, so heißt es, trifft auf eine Frau, die lachen kann – und die weiß, wo sie herkommt.

    Julia Klöckner im Martental 2014
    Julia Klöckner 2014 im Martental. Foto: Lothar Spurzem / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 de

    Die wichtigsten Stationen von Julia Klöckner im Überblick

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich dokumentierten Stationen im Leben von Julia Klöckner zusammen.

    Zeitraum Station Details
    16. Dez. 1972 Geburt Geboren in Bad Kreuznach
    1994–1996 Weinkönigin Naheweinkönigin 1994; Deutsche Weinkönigin 1995/96
    1998 Studium Magistra Artium, Universität Mainz (Politikwissenschaft, kath. Theologie, Pädagogik)
    1998–2009 Journalismus SWR, Meininger Verlag, „Weinwelt“; Chefredakteurin „Sommelier-Magazin“ 2001–2009
    2002–2011 Bundestag MdB (erste Phase)
    2009–2011 Staatssekretärin Parlamentarische Staatssekretärin BMELV (unter Ilse Aigner)
    2010–2022 CDU Rheinland-Pfalz Landesvorsitzende (gewählt 25.9.2010 mit 96,9 %)
    2011/2016 Spitzenkandidatin Landtagswahlen Rheinland-Pfalz
    2011–2018 Fraktionsvorsitz CDU-Fraktion Landtag Rheinland-Pfalz
    2012–2022 CDU-Bundesvize Stellvertretende Bundesvorsitzende
    2018–2021 Bundesministerin Ernährung und Landwirtschaft (Kabinett Merkel IV)
    seit 2021 Bundestag MdB (zweite Phase); wirtschaftspolitische Sprecherin
    2022–2025 Bundesschatzmeisterin CDU
    25.3.2025 Bundestagspräsidentin Gewählt mit 61,9 % (382 Ja-Stimmen)
    privat Partnerschaft Mit Jörg Pilawa liiert (bekannt seit Aug. 2025)

    Häufige Fragen zu Julia Klöckner

    Seit wann ist Julia Klöckner Bundestagspräsidentin?

    Julia Klöckner ist seit dem 25. März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Sie wurde mit 382 Ja-Stimmen (61,9 Prozent) gewählt und folgte auf Bärbel Bas – erstmals folgt eine Frau auf eine Frau in diesem Amt.

    Was war Julia Klöckner, bevor sie in die Politik ging?

    Vor ihrer politischen Karriere war Julia Klöckner Deutsche Weinkönigin (1995/96) und Journalistin: Sie arbeitete als Chefredakteurin des „Sommelier-Magazins“ (2001–2009), zuvor als Hospitantin beim SWR in Mainz (1998), als freie Mitarbeiterin für Landeskultur (bis 2002), als Volontärin beim Meininger Verlag (1999/2000) und als Redakteurin der „Weinwelt“ (2000–2002). Studiert hatte sie Politikwissenschaft, katholische Theologie und Pädagogik an der Universität Mainz – Magistra Artium 1998. Aufgewachsen ist sie als Winzertochter in Guldental an der Nahe.

    Welches Ministerium leitete Julia Klöckner?

    Von März 2018 bis Dezember 2021 war Julia Klöckner Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Merkel IV. Nach der Bundestagswahl 2021 blieb sie geschäftsführend im Amt, bis Cem Özdemir sie ablöste.

    Welcher Partei gehört Julia Klöckner an?

    Julia Klöckner gehört der CDU an. Von 2012 bis 2022 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende, von 2022 bis März 2025 Bundesschatzmeisterin der Partei. Von 2010 bis 2022 führte sie die CDU in Rheinland-Pfalz.

    Ist Julia Klöckner verheiratet?

    Julia Klöckner heiratete im April 2019 in Südafrika; die kirchliche Trauung fand im September 2019 in Guldental statt. 2023 trennte sich das Paar. Seit August 2025 ist bekannt, dass sie mit dem Fernsehmoderator Jörg Pilawa liiert ist.

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  • Boris Pistorius: Biografie, Karriere und politische Stationen im Überblick

    Gesellschaft

    Boris Pistorius ist seit dem 19. Januar 2023 Bundesminister der Verteidigung – zuerst im Kabinett Scholz, seit dem 6. Mai 2025 im Kabinett Merz. Der SPD-Politiker übernahm das Amt mitten in der Zeitenwende und gilt seither als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Stand: 30. Oktober 2026.

    Der 1960 in Osnabrück geborene Jurist war vor seiner Berufung nach Berlin vor allem in Niedersachsen bekannt: als Oberbürgermeister seiner Heimatstadt und als langjähriger Innenminister des Landes. Dass ausgerechnet er – ein Mann ohne bundespolitische Vergangenheit – zum wichtigsten Krisenmanager der deutschen Sicherheitspolitik aufsteigen würde, hatte niemand auf dem Zettel.

    Was Boris Pistorius auszeichnet, ist seine Sprache: klar, direkt, ohne die üblichen Ausflüchte des Politikbetriebs. Als er forderte, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden, ging ein Raunen durch die Republik. Genau diese Unverblümtheit machte ihn zum Gesicht einer neuen deutschen Verteidigungspolitik – und zum beliebtesten Minister im Land.

    Boris Pistorius im Jahr 2023
    Boris Pistorius im Jahr 2023, kurz nach seiner Ernennung zum Verteidigungsminister. Foto: Dr. Frank Gaeth / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    In diesem Artikel

    1. Wer ist Boris Pistorius?
    2. Wie wurde Boris Pistorius Verteidigungsminister?
    3. Welche Stationen prägten die Karriere von Boris Pistorius?
    4. Was machte Boris Pistorius als Verteidigungsminister?
    5. Wofür steht Boris Pistorius politisch?
    6. Wie lebt Boris Pistorius privat?
    7. Die wichtigsten Stationen von Boris Pistorius im Überblick
    8. Häufige Fragen zu Boris Pistorius
    9. Weiterlesen

    Wer ist Boris Pistorius?

    Boris Ludwig Pistorius wurde am 14. März 1960 in Osnabrück geboren. Er ist ein deutscher Politiker der SPD und seit Januar 2023 Bundesminister der Verteidigung. Mit sechzehn Jahren – 1976 – trat er in die SPD ein. Eine Mitgliedschaft, die nun fast fünf Jahrzehnte währt.

    Sein Weg war alles andere als geradlinig: Nach dem Abitur 1978 am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück lernte er zunächst Groß- und Außenhandelskaufmann, leistete seinen Grundwehrdienst beim Flugabwehrregiment 11 in der Steuben-Kaserne in Achim und studierte erst danach Rechtswissenschaften – in Osnabrück, Münster und Angers. Erstes Staatsexamen 1987 in Hamm, zweites 1990 vor dem Oberlandesgericht Oldenburg, ab 1991 im Landesdienst Niedersachsens.

    Diese Biografie – Lehre, Bund, Studium, Verwaltung – prägte einen Politikertyp, der in Berlin selten geworden ist: bodenständig, verwaltungserfahren, ohne Berührungsängste vor klaren Worten. Wer Boris Pistorius verstehen will, muss nach Osnabrück schauen, nicht nach Berlin.

    Eine Fußnote mit Hintersinn: Ausgerechnet beim Militär diente er einst – Flugabwehr, Steuben-Kaserne Achim. Jahrzehnte später führt er als Minister genau jene Truppe, in deren Uniform er seinen Dienst versah. Eine solche biografische Klammer gibt es in der deutschen Politik selten.

    Wie wurde Boris Pistorius Verteidigungsminister?

    Der Weg ins Amt begann mit einer Krise: Christine Lambrecht, seine Vorgängerin, war nach einer Serie von Pannen und öffentlicher Kritik nicht mehr zu halten. Am 19. Januar 2023 ernannte Bundeskanzler Olaf Scholz überraschend Boris Pistorius zu ihrem Nachfolger – einen Namen, den in Berlin kaum jemand auf der Rechnung hatte.

    Der Zeitpunkt hätte dramatischer kaum sein können: Knapp ein Jahr nach dem russischen Angriff auf die Ukraine steckte die versprochene Zeitenwende fest. Das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr war beschlossen, doch die Umsetzung lahmt. Pistorius übernahm ein Ministerium im Ausnahmezustand – und lieferte vom ersten Tag an das, was viele vermisst hatten: Tempo und klare Ansagen.

    Nach dem Regierungswechsel blieb er: Am 5. Mai 2025 nominierte die SPD ihn für das Kabinett Merz, am 6. Mai 2025 wurde er vereidigt – als einziger Minister der Ampelkoalition, der im Amt blieb. Ein Vertrauensbeweis mit Seltenheitswert: Normalerweise räumt eine neue Regierung das gesamte Kabinett ab.

    Warum wählte Scholz ihn? Als niedersächsischer Innenminister hatte sich Pistorius den Ruf eines Krisenmanagers erarbeitet – pragmatisch, entscheidungsfreudig, notfalls auch unbequem. Genau dieses Profil suchte der Kanzler für das schwierigste Ressort der Republik. Die Rechnung ging auf: In Umfragen schoss Boris Pistorius binnen Wochen an die Spitze der beliebtesten Politiker des Landes.

    Boris Pistorius mit Lloyd Austin in Berlin
    Boris Pistorius mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Berlin im Januar 2023, kurz nach seinem Amtsantritt. Foto: U.S. Secretary of Defense / Wikimedia Commons, gemeinfrei

    Welche Stationen prägten die Karriere von Boris Pistorius?

    Die Karriere von Boris Pistorius ist eine niedersächsische: Von November 2006 bis Februar 2013 war er Oberbürgermeister von Osnabrück – gewählt in der Stichwahl am 24. September 2006 mit 55 Prozent gegen Wolfgang Griesert (CDU). Sechs Jahre Stadtpolitik: Bürgernähe im besten wie im anstrengendsten Sinne.

    Im Februar 2013 wechselte er nach Hannover: Als niedersächsischer Minister für Inneres und Sport amtierte er unter Ministerpräsident Stephan Weil durch drei Kabinette – zehn Jahre, bis Januar 2023. Parallel saß er von November 2017 bis Januar 2023 im Landtag, direkt gewählt in Osnabrück-West mit 42,6 Prozent (2017) und 38,9 Prozent (2022).

    Parteipolitisch ging es langsamer voran: Im SPD-Parteivorstand sitzt er seit dem 8. Dezember 2017; seine Kandidatur für den Parteivorsitz 2019 an der Seite von Petra Köpping scheiterte. Im November 2024 lehnte er eine Kanzlerkandidatur ab – per Videobotschaft am 21. November 2024. Ein Schritt, der ihm Respekt einbrachte und den Weg für seine weitere Arbeit als Minister freimachte.

    Seit dem 25. März 2025 sitzt Boris Pistorius auch im Bundestag – direkt gewählt im Wahlkreis Stadt Hannover II mit 36,2 Prozent der Erststimmen, deutlich vor Swantje Michaelsen von den Grünen (19,1 Prozent). Der Spätberufene der Bundespolitik hat damit auch parlamentarisch Fuß gefasst.

    Was machte Boris Pistorius als Verteidigungsminister?

    Pistorius übernahm ein Haus in der Krise: Die Bundeswehr litt unter maroden Kasernen, fehlender Munition und einer Beschaffung, die eher an Behördenpingpong erinnerte als an militärische Logistik. Seine Vorgängerin hatte das Vertrauen der Truppe verspielt. Pistorius gewann es zurück – mit Besuchen bei der Truppe statt mit Presseterminen im Bendlerblock.

    Das 100-Milliarden-Sondervermögen wurde unter ihm zum Arbeitsprogramm: Munitionsbestellungen, neue Funkgeräte, der schwere Transporthubschrauber – Pistorius trieb Projekte voran, die jahrelang in Schubladen gelegen hatten. Kritiker monierten, es gehe noch immer zu langsam. Befürworter hielten dagegen: Erstmals seit Jahrzehnten komme überhaupt Bewegung in die Beschaffung.

    International wurde er zum Gesicht der deutschen Ukraine-Unterstützung: Waffenlieferungen, die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland, die enge Abstimmung mit den NATO-Partnern. Pistorius vertrat einen Kurs, der in seiner eigenen Partei nicht unumstritten war – und den er mit bemerkenswerter Konsequenz durchhielt.

    Sein prägendster Satz fiel im November 2023: Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden. Das Wort – bewusst hart gewählt – löste eine Debatte aus, die bis heute nachwirkt. Für die einen war es ehrliche Sprache in ernster Zeit, für die anderen ein Tabubruch. Pistorius ließ sich davon nicht beirren. Wer die Bundeswehr führen will, so seine Logik, darf die Wirklichkeit nicht verniedlichen.

    Boris Pistorius in Manila
    Boris Pistorius mit dem philippinischen Verteidigungsminister Gilberto Teodoro in Manila. Foto: McNamara / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

    Wofür steht Boris Pistorius politisch?

    Sicherheitspolitisch steht Boris Pistorius für einen Kurswechsel: weg von der Friedensdividende der Nachwendezeit, hin zu einer Bundeswehr, die ihren NATO-Verpflichtungen tatsächlich nachkommen kann. Er gilt als Vertreter eines pragmatischen, an der Wirklichkeit orientierten Flügels der SPD – und als einer der wenigen Sozialdemokraten, die auch in konservativen Milieus ernst genommen werden.

    Sein Politikstil ist der des Machers: kurze Sätze, klare Zuständigkeiten, wenig Raum für Interpretation. Wo andere Minister um heikle Formulierungen ringen, sagt Pistorius, was Sache ist – und nimmt in Kauf, damit anzuecken. Diese Direktheit ist sein größtes politisches Kapital.

    In Umfragen gehörte Boris Pistorius wiederholt zu den beliebtesten Politikern des Landes. Beobachter erklären das Phänomen mit seiner Authentizität: Er wirkt nicht wie ein Karrierist, sondern wie jemand, der seinen Job ernst nimmt. In einer Zeit des Politikverdrusses ist das ein Alleinstellungsmerkmal.

    Innerparteilich bleibt er ein Außenseiter mit Einfluss: nie Juso-Vorsitzender, nie Generalsekretär, nie Fraktionschef – und doch der Mann, ohne den in der SPD sicherheitspolitisch nichts geht. Seine Ablehnung der Kanzlerkandidatur 2024 deuteten viele als Klugheit: lieber der starke Minister als der gescheiterte Kandidat.

    Wie lebt Boris Pistorius privat?

    Das Privatleben von Boris Pistorius war von Schicksalsschlägen geprägt: Seine erste Frau Sabine Pistorius, geborene Heß (1961–2015), starb am 27. August 2015 an Krebs. Von Oktober 2016 bis Frühjahr 2022 war er mit Doris Schröder-Köpf liiert. Seit Dezember 2023 ist er in zweiter Ehe mit der Politikwissenschaftlerin Julia Schwanholz verheiratet. Er hat zwei Töchter.

    Abseits der Politik zeigt sich ein Mann mit Bodenhaftung und Humor: Er ist Fan des VfL Osnabrück und bekennender Anhänger von Raumschiff Enterprise. 2025 wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Im Asterix-Band „Asterix in Lusitanien“ tritt ein römischer Zenturio auf, der ihm nachempfunden ist – eine Auszeichnung, die man sich nicht kaufen kann.

    Wer ihn erlebt, beschreibt einen Politiker, der Privates und Amtliches zu trennen weiß, ohne sich zu verstellen. Der Verlust seiner ersten Frau, die späte zweite Ehe, die zwei Töchter – all das hat ihn geprägt, ohne dass er je damit hausieren gegangen wäre. Vielleicht erklärt genau das seine Glaubwürdigkeit: Man nimmt ihm ab, was er sagt, weil man spürt, dass er weiß, wovon er spricht.

    Boris Pistorius mit Samuel Paparo
    Boris Pistorius mit US-Admiral Samuel Paparo im Juli 2024. Foto: McNamara / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

    Die wichtigsten Stationen von Boris Pistorius im Überblick

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich dokumentierten Stationen im Leben von Boris Pistorius zusammen.

    Zeitraum Station Details
    14. März 1960 Geburt Geboren in Osnabrück
    1976 SPD-Eintritt Mit 16 Jahren Parteimitglied
    1978–1980 Ausbildung und Wehrdienst Groß- und Außenhandelskaufmann; Grundwehrdienst Flugabwehrregiment 11, Achim
    1982–1990 Jurastudium Osnabrück, Münster, Angers; Staatsexamina 1987 (Hamm) und 1990 (OLG Oldenburg)
    ab 1991 Landesdienst Niedersachsen
    2006–2013 Oberbürgermeister Osnabrück (Stichwahl 24.9.2006: 55 % gegen Wolfgang Griesert, CDU)
    2013–2023 Innenminister Niedersachsen (Kabinette Weil I–III)
    2017–2023 Landtag Direktmandat Osnabrück-West (42,6 % 2017; 38,9 % 2022)
    seit 8.12.2017 SPD-Parteivorstand Mitglied des Parteivorstands
    2019 Parteivorsitz-Kandidatur Mit Petra Köpping gescheitert
    21.11.2024 Kanzlerkandidatur Abgelehnt (Videobotschaft)
    19.1.2023 Verteidigungsminister Ernennung im Kabinett Scholz
    6.5.2025 Vereidigung Kabinett Merz – einziger Ampel-Minister im Amt
    seit 25.3.2025 Bundestag Direktmandat Stadt Hannover II (36,2 %)
    seit Dez. 2023 Familie Verheiratet mit Julia Schwanholz; zwei Töchter

    Häufige Fragen zu Boris Pistorius

    Seit wann ist Boris Pistorius Verteidigungsminister?

    Boris Pistorius ist seit dem 19. Januar 2023 Bundesminister der Verteidigung. Ernannt wurde er von Bundeskanzler Olaf Scholz im Kabinett Scholz, nachdem seine Vorgängerin Christine Lambrecht zurückgetreten war. Seit dem 6. Mai 2025 dient er im Kabinett Merz – als einziger Minister der früheren Ampelkoalition, der im Amt blieb.

    Welcher Partei gehört Boris Pistorius an?

    Boris Pistorius gehört der SPD an – seit 1976, also seit seinem sechzehnten Lebensjahr. Damit zählt er zu den dienstältesten Mitgliedern der Parteispitze. Seit dem 8. Dezember 2017 sitzt er im SPD-Parteivorstand.

    Was hat Boris Pistorius gemacht, bevor er nach Berlin kam?

    Vor seiner Ernennung zum Verteidigungsminister war Boris Pistorius zehn Jahre lang niedersächsischer Minister für Inneres und Sport (2013–2023) und davor Oberbürgermeister von Osnabrück (2006–2013). Von 2017 bis 2023 saß er zudem im niedersächsischen Landtag. Er ist gelernter Jurist und war ab 1991 im Landesdienst Niedersachsens tätig.

    Warum gilt Boris Pistorius als so beliebt?

    Boris Pistorius punktet mit klarer Sprache, Macher-Image und der konsequenten Umsetzung der Zeitenwende in der Verteidigungspolitik. In Umfragen gehörte er wiederholt zu den beliebtesten Politikern Deutschlands – auch über Parteigrenzen hinweg. Seine direkte Art kommt auch bei der Truppe an, deren Vertrauen er nach schwierigen Jahren zurückgewann.

    Ist Boris Pistorius verheiratet?

    Seit Dezember 2023 ist Boris Pistorius in zweiter Ehe mit der Politikwissenschaftlerin Julia Schwanholz verheiratet. Seine erste Frau Sabine starb 2015 an Krebs; von 2016 bis 2022 war er mit Doris Schröder-Köpf liiert. Er hat zwei Töchter und pflegt weiterhin einen engen Bezug zu seiner Heimatstadt Osnabrück.

    Weiterlesen

  • Robert Habeck: Biografie, Karriere und politische Stationen im Überblick

    Gesellschaft

    Robert Habeck war vom 8. Dezember 2021 bis 2025 Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz. Der Politiker von Bündnis 90/Die Grünen zog sich nach der Bundestagswahl 2025 aus der Spitzenpolitik zurück und arbeitet seither als Autor, Wissenschaftler und Berater. Stand: 30. Oktober 2026.

    Der 1969 in Lübeck geborene Schriftsteller gehörte zu den prägenden Figuren der deutschen Politik der 2020er-Jahre: Von 2018 bis 2022 führte er gemeinsam mit Annalena Baerbock die Grünen, war zuvor Minister in Schleswig-Holstein und trat 2025 als Kanzlerkandidat seiner Partei an. Dieser Beitrag zeichnet die Biografie, die Karriere und alle politischen Stationen von Robert Habeck nach.

    Was Robert Habeck von vielen anderen Spitzenpolitikern unterschied, war seine Herkunft aus der Literatur: Als promovierter Philosoph und erfolgreicher Autor brachte er einen reflektierenden, sprachbewussten Ton in die Politik, der ihm sowohl Bewunderung als auch Spott einbrachte. Seine Reden und Interviews waren oft von literarischen Bildern geprägt – ein Stil, der in der nüchternen Berliner Politikszene auffiel und ihn zu einer der bekanntesten Figuren der Ampelkoalition machte.

    Robert Habeck bei der Europäischen Kommission
    Robert Habeck bei seinem Besuch der Europäischen Kommission. Foto: Dati Bendo / European Union / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

    In diesem Artikel

    1. Wer ist Robert Habeck?
    2. Wie wurde Robert Habeck Vizekanzler?
    3. Welche Stationen prägten die Karriere von Robert Habeck?
    4. Was machte Robert Habeck als Wirtschaftsminister?
    5. Wofür steht Robert Habeck politisch?
    6. Welche Bücher hat Robert Habeck geschrieben?
    7. Wie lebt Robert Habeck privat?
    8. Was macht Robert Habeck seit dem Rückzug aus der Politik?
    9. Die wichtigsten Stationen von Robert Habeck im Überblick
    10. Häufige Fragen zu Robert Habeck
    11. Weiterlesen

    Wer ist Robert Habeck?

    Robert Habeck wurde am 2. September 1969 in Lübeck geboren. Er ist ein deutscher Schriftsteller und ehemaliger Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. Bevor er in die Spitzenpolitik aufstieg, machte sich Robert Habeck gemeinsam mit seiner Frau Andrea Paluch einen Namen als Autor von Romanen und Kinderbüchern.

    Der promovierte Philosoph und Literaturwissenschaftler studierte in Freiburg, Roskilde und Hamburg. Seine literarische Arbeit prägte seinen politischen Stil: Robert Habeck galt als nachdenklicher, sprachgewandter Politiker, der komplexe Zusammenhänge in eingängige Bilder übersetzte – eine Fähigkeit, die ihm in der Öffentlichkeit viel Anerkennung, aber auch Kritik einbrachte.

    Schon früh engagierte sich Robert Habeck in der Kommunalpolitik seiner norddeutschen Heimat, bevor er 2009 den Sprung in den schleswig-holsteinischen Landtag schaffte. Seine Doppelbegabung als Denker und Praktiker machte ihn schnell zu einem der profiliertesten Köpfe der Grünen jenseits der klassischen Parteifunktionäre.

    Bemerkenswert bleibt, wie unkonventionell dieser Weg verlief: Noch mit Ende dreißig war Robert Habeck vor allem als Autor bekannt, nicht als Berufspolitiker. Erst 2009, mit vierzig Jahren, zog er in den Landtag ein – spät für einen späteren Vizekanzler. Gerade diese Distanz zum klassischen Politikbetrieb wurde zu seinem Markenzeichen: Robert Habeck sprach über Politik, als betrachte er sie zugleich von außen – mit der Neugier eines Schriftstellers und der Begriffsschärfe eines Philosophen.

    Wie wurde Robert Habeck Vizekanzler?

    Nach der Bundestagswahl 2021 verhandelten SPD, Grüne und FDP die erste Ampelkoalition auf Bundesebene. Als Co-Vorsitzender der Grünen war Robert Habeck einer der Architekten des Bündnisses. Am 8. Dezember 2021 wurde er im Kabinett Scholz zum Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz ernannt.

    Das von Robert Habeck geführte Ministerium war eines der mächtigsten Ressorts der Bundesregierung: Es bündelte Wirtschaftspolitik, Energiepolitik und Klimaschutz. In seine Amtszeit fielen die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022, der Atomausstieg 2023 und das umstrittene Gebäudeenergiegesetz, das als „Heizungsgesetz“ bundesweit debattiert wurde.

    Die Koalitionsverhandlungen 2021 waren für Robert Habeck persönlich ein Triumph: Er hatte die Grünen gemeinsam mit Baerbock zu einem Rekordergebnis geführt und saß nun als gleichberechtigter Partner mit Olaf Scholz und Christian Lindner am Verhandlungstisch. Das Superministerium für Wirtschaft und Klimaschutz war maßgeblich auf seinen Zuschnitt hin geschaffen worden.

    Eine pikante Pointe dieser Konstellation: Bei der Bundestagswahl 2021 war noch Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin angetreten – nach der Wahl aber war es Robert Habeck, der das mächtigere Regierungsamt erhielt. Das neue Superministerium, das Wirtschafts-, Energie- und Klimapolitik unter einem Dach vereinte, war faktisch auf ihn zugeschnitten. In den Verhandlungen galt Robert Habeck als derjenige, der grüne Positionen am geschicktesten mit den Vorstellungen von SPD und FDP zu verbinden wusste.

    Robert Habeck mit Antony Blinken
    Robert Habeck mit US-Außenminister Antony Blinken. Foto: U.S. Department of State / Wikimedia Commons, gemeinfrei

    Welche Stationen prägten die Karriere von Robert Habeck?

    Die politische Laufbahn von Robert Habeck begann in Schleswig-Holstein: 2009 zog er in den Landtag ein und wurde Fraktionsvorsitzender der Grünen. Von 2012 bis 2018 amtierte Robert Habeck als stellvertretender Ministerpräsident sowie als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Natur – zunächst im Kabinett Albig, ab 2017 auch zuständig für Digitalisierung im Kabinett Günther I.

    Im Januar 2018 wählten die Grünen Robert Habeck gemeinsam mit Annalena Baerbock zum Bundesvorsitzenden. Das Duo führte die Partei zu historisch hohen Umfragewerten; bei der Bundestagswahl 2021 erreichten die Grünen mit 14,8 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis. Robert Habeck blieb bis Februar 2022 Parteichef und wechselte dann vollständig in die Regierungsverantwortung nach Berlin.

    In Schleswig-Holstein hatte sich Robert Habeck bereits als Energiewende-Minister profiliert: Er trieb den Ausbau der Windkraft an der Küste voran und sammelte Erfahrungen, die ihm später in Berlin zugutekamen. Seine Zeit als Landesminister gilt als Lehrjahre, in denen der Autor zum Verwalter wurde.

    Was machte Robert Habeck als Wirtschaftsminister?

    Als Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz stand Robert Habeck vor der Aufgabe, Deutschland durch die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten zu führen. Nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen 2022 orchestrierte sein Ministerium den Aufbau von Flüssigerdgas-Terminals, die Befüllung der Gasspeicher und milliardenschwere Entlastungspakete für Bürger und Unternehmen.

    Gleichzeitig trieb Robert Habeck den Ausbau der erneuerbaren Energien voran: Unter seiner Ägide wurden Genehmigungsverfahren beschleunigt und Ausbauziele für Wind- und Solarenergie angehoben. Kritiker warfen Robert Habeck vor, mit dem Gebäudeenergiegesetz die Bürger zu überfordern; Befürworter lobten seinen Krisenmanagement-Stil in einer Ausnahmesituation. Die Übergabe des Ministeriums an seine Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU) im Jahr 2025 markierte das Ende seiner Regierungszeit.

    Zu den konkreten Maßnahmen zählten das Osterpaket zum Erneuerbaren-Ausbau, die Einführung einer Strompreisbremse und Gaspreisbremse sowie die Verstaatlichung des Energiekonzerns Uniper. Robert Habeck reiste als „Bittsteller“ – so seine eigene Formulierung – nach Katar, um Flüssiggaslieferungen zu sichern, was ihm Häme, aber auch Respekt für seinen Pragmatismus einbrachte.

    Die Kehrseite dieses Krisenmanagements war das Gebäudeenergiegesetz: Was als klimapolitisch notwendige Reform gedacht war, geriet in der öffentlichen Debatte zum Symbol einer als übergriffig empfundenen Politik. Monatelang dominierte das „Heizungsgesetz“ die Schlagzeilen und überlagerte alle anderen Themen des Ministeriums. Die Episode verdeutlicht das Grunddilemma von Robert Habecks Amtszeit – zwischen akutem Energienotstand und langfristigen Klimazielen gab es kaum einen Weg, der nicht politisch schmerzhaft gewesen wäre.

    Robert Habeck Frankfurter Buchmesse
    Robert Habeck auf der Frankfurter Buchmesse 2026. Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    Wofür steht Robert Habeck politisch?

    Als Brückenbauer zwischen Ökologie und Ökonomie verstand sich Robert Habeck: Sein politisches Leitmotiv war die Versöhnung von Klimaschutz und wirtschaftlicher Prosperität. Die Transformation zur Klimaneutralität sollte als Modernisierungsprojekt erzählt werden, das Arbeitsplätze schafft statt vernichtet. In der Tradition der Grünen setzte sich Robert Habeck für den Ausbau erneuerbarer Energien, eine sozial abgefederte CO₂-Bepreisung und eine aktive Industriepolitik ein.

    Innerparteilich gehörte Robert Habeck zum pragmatischen Flügel der Grünen. Er suchte den Schulterschluss mit der Wirtschaft, warb um Vertrauen bei Unternehmern und stellte sich gegen fundamentalistische Positionen. Seine Bücher, darunter „Von hier an anders“ (2021) und „Den Bach rauf“ (2025), entwerfen das Bild eines Politikers, der Zweifel zulässt und Politik als lernenden Prozess begreift.

    Philosophisch war Robert Habeck von einem undogmatischen Denken geprägt: Er zitierte gern Hannah Arendt und warb für eine Politik, die Widersprüche aushält. Kritiker sahen darin Beliebigkeit; Anhänger eine notwendige Korrektur ideologischer Verhärtungen.

    Sein Politikstil war der des erklärenden Ministers: In langen Interviews und Videobotschaften versuchte Robert Habeck, komplexe Zusammenhänge – von der Gaspreisbremse bis zur Wasserstoffstrategie – für ein breites Publikum verständlich zu machen. Diese Direktheit schuf Vertrauen bei vielen Bürgern, machte ihn aber auch angreifbar: Jeder unbedachte Satz wurde in den sozialen Netzwerken seziert, und seine Neigung zum lauten Nachdenken kollidierte mitunter mit den Ritualen des Berliner Politikbetriebs.

    Welche Bücher hat Robert Habeck geschrieben?

    Das literarische Werk von Robert Habeck ist umfangreich: Viele seiner Bücher entstanden gemeinsam mit seiner Frau Andrea Paluch. Zu den bekanntesten Werken zählen die Romane „Hauke Haiens Tod“ (2001) und „Der Schrei der Hyänen“ (2004), die sich mit norddeutschen Stoffen auseinandersetzen. Auch Kinderbücher entstanden in dieser Zusammenarbeit.

    Politische Sachbücher von Robert Habeck sind „Von hier an anders“ (2021), in dem er seine Vorstellung einer anderen Politik entwirft, sowie „Den Bach rauf“ (2025), eine Art politisches Tagebuch aus seiner Zeit als Minister. 2026 erschien „Arctic Meltdown“. Seine literarische Herkunft prägte seinen politischen Kommunikationsstil: Robert Habeck suchte stets das erzählende, deutende Wort statt der bloßen Parole.

    Bemerkenswert ist die Kontinuität dieses Werks: Schon die frühen Romane kreisen um Schuld, Landschaft und norddeutsche Mentalität – Themen, die später auch in Robert Habecks politischen Reden wiederkehren. Die Grenze zwischen Literatur und Politik war bei ihm stets durchlässig: Seine politischen Bücher lesen sich streckenweise wie die Essays eines Schriftstellers, der zufällig Minister geworden ist, nicht wie die Programmschriften eines Parteistrategen.

    Wie lebt Robert Habeck privat?

    Seit 1996 ist Robert Habeck mit der Schriftstellerin Andrea Paluch verheiratet. Das Paar hat vier Söhne und veröffentlichte gemeinsam mehrere Bücher, darunter die Romane „Hauke Haiens Tod“ (2001) und „Der Schrei der Hyänen“ (2004). Seit 2025 lebt die Familie in Kopenhagen; Robert Habeck spricht fließend Dänisch.

    Seit einem Schlachthofbesuch im Jahr 2013 ernährt sich Robert Habeck vegetarisch. Er ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Die Familie lebte lange in Flensburg, wo Robert Habeck bei der Bundestagswahl 2025 auch sein Direktmandat im Wahlkreis Flensburg–Schleswig anstrebte – er unterlag mit 22,6 Prozent der CDU-Kandidatin Petra Nicolaisen (26,5 Prozent), zog aber über die Landesliste in den Bundestag ein.

    Der Umzug nach Kopenhagen im Jahr 2025 war mehr als ein Ortswechsel: Schon während seines Studiums im dänischen Roskilde hatte Robert Habeck eine enge Beziehung zu Dänemark entwickelt. Dass er seinen Lebensmittelpunkt nun ausgerechnet dorthin verlegte, passt zu einem Politiker, der sich nie ganz mit den Ritualen des Berliner Betriebs identifiziert hat – und der nach dem Rückzug bewusst Distanz zum alten Wirkungskreis suchte.

    Was macht Robert Habeck seit dem Rückzug aus der Politik?

    Nach der Bundestagswahl 2025 kündigte Robert Habeck seinen Rückzug aus der Spitzenpolitik an. Sein Bundestagsmandat legte er zum 31. August 2025 nieder. Seither widmet sich Robert Habeck Wissenschaft, Publizistik und Beratung: Im September 2025 wurde er Senior Analyst am Dänischen Institut für Internationale Studien (DIIS), im Oktober 2025 „Distinguished Global Leader“ am Perry World House der University of Pennsylvania.

    Im Januar 2026 lehrte Robert Habeck als Gastdozent an der Hebräischen Universität Jerusalem, im März und April 2026 an der Haas School of Business in Berkeley. Parallel startete er im Oktober 2025 die Gesprächsreihe „Habeck live“ am Berliner Ensemble. Seit August 2026 berät Robert Habeck zudem das dänische Stadtentwicklungsunternehmen Urban Partners – eine Tätigkeit, die von der Organisation Lobbycontrol kritisch kommentiert wurde.

    Für die Zukunft ist eine Professur als „Professor of Practice“ an der Copenhagen Business School vorgesehen. Robert Habeck hat damit einen für deutsche Spitzenpolitiker ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: statt in Aufsichtsräte oder Parteistiftungen zog es ihn an Universitäten und in die dänische Hauptstadt.

    Die Gesprächsreihe „Habeck live“ am Berliner Ensemble, produziert von Studio Bummens, wurde schnell zu einem der meistbeachteten Formate des Berliner Kulturlebens – hier inszenierte sich Robert Habeck als nachdenklicher Gesprächspartner jenseits der Tagespolitik. Seine Beratertätigkeit für Urban Partners wiederum rief Lobbycontrol auf den Plan: Die Organisation verwies auf eine frühere Verbindung zum Heizungshersteller Viessmann. Ein Vorgeschmack darauf, dass auch der Ex-Politiker Habeck der öffentlichen Kontrolle nicht entkommt.

    Robert Habeck Grüne BDK 2024
    Robert Habeck auf dem Grünen-Bundesparteitag 2024. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    Die wichtigsten Stationen von Robert Habeck im Überblick

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich dokumentierten Stationen im Leben von Robert Habeck zusammen.

    Zeitraum Station Details
    2. September 1969 Geburt Geboren in Lübeck
    ab 2009 Landtag Schleswig-Holstein Fraktionsvorsitzender der Grünen
    2012–2018 Minister in Schleswig-Holstein Stellvertretender Ministerpräsident; Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt
    2018–2022 Bundesvorsitzender der Grünen Gemeinsam mit Annalena Baerbock
    2021–2025 Mitglied des Bundestages Mandat niedergelegt zum 31. August 2025
    2021–2025 Vizekanzler und Bundesminister Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz
    2025 Kanzlerkandidat Direktmandat Flensburg–Schleswig verfehlt (22,6 %)
    seit Sep. 2025 Senior Analyst DIIS Dänisches Institut für Internationale Studien
    seit Okt. 2025 Perry World House „Distinguished Global Leader“, University of Pennsylvania
    Okt. 2025 „Habeck live“ Gesprächsreihe am Berliner Ensemble
    2026 Gastdozenturen Hebräische Universität Jerusalem; UC Berkeley
    2026 „Arctic Meltdown“ Buchveröffentlichung
    seit Aug. 2026 Senior Advisor Urban Partners (Dänemark)
    künftig Professor of Practice Copenhagen Business School (vorgesehen)
    1996–heute Familie Verheiratet mit Andrea Paluch, vier Söhne

    Häufige Fragen zu Robert Habeck

    Wann war Robert Habeck Vizekanzler?

    Robert Habeck war vom 8. Dezember 2021 bis 2025 Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz. Vereidigt wurde er am 8. Dezember 2021 gemeinsam mit der neuen Bundesregierung; 2025 übergab er das Wirtschaftsministerium an seine Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU).

    Welcher Partei gehört Robert Habeck an?

    Robert Habeck gehört Bündnis 90/Die Grünen an. Von 2018 bis 2022 war er gemeinsam mit Annalena Baerbock Bundesvorsitzender der Partei. Unter ihrer Doppelspitze holten die Grünen bei der Bundestagswahl 2021 mit 14,8 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

    Was hat Robert Habeck beruflich gemacht, bevor er Politiker wurde?

    Robert Habeck ist promovierter Philosoph und arbeitete als Schriftsteller. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea Paluch veröffentlichte er Romane und Kinderbücher, darunter „Hauke Haiens Tod“ (2001). Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Freiburg, Roskilde und Hamburg; 2026 erschien sein Buch „Arctic Meltdown“.

    Warum hat sich Robert Habeck aus der Politik zurückgezogen?

    Nach der Bundestagswahl 2025, bei der er als Kanzlerkandidat antrat, kündigte Robert Habeck seinen Rückzug aus der Spitzenpolitik an und legte sein Bundestagsmandat zum 31. August 2025 nieder. Sein Direktmandat im Wahlkreis Flensburg–Schleswig hatte er mit 22,6 Prozent verfehlt; ins Parlament war er über die Landesliste eingezogen. Sein Mandat übernahm Mayra Vriesema.

    Wo lebt Robert Habeck heute?

    Robert Habeck lebt seit 2025 mit seiner Familie in Kopenhagen, Dänemark. Er spricht fließend Dänisch und arbeitet als Wissenschaftler, Autor und Berater. Zuvor hatte die Familie lange in Flensburg gelebt; 2026 lehrte Habeck unter anderem an der Hebräischen Universität Jerusalem und in Berkeley.

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  • Friedrich Merz: Biografie, Karriere und politische Stationen im Überblick

    Gesellschaft

    Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der CDU-Bundesvorsitzende führt eine Koalition aus CDU, CSU und SPD und folgte auf Olaf Scholz. Seine Wahl im Deutschen Bundestag war historisch: Im ersten Wahlgang scheiterte Friedrich Merz überraschend, erst im zweiten Wahlgang erreichte er die nötige Kanzlermehrheit. Stand: 30. Oktober 2026.

    Der 1955 im sauerländischen Brilon geborene Jurist gehört zu den prägenden Figuren der deutschen Politik: Bereits von 2000 bis 2002 führte Friedrich Merz die Unionsfraktion im Bundestag, zog sich danach jahrelang in die Wirtschaft zurück – unter anderem als Aufsichtsratschef von BlackRock Deutschland – und kehrte erst 2021 in die aktive Politik zurück. Dieser Beitrag zeichnet die Biografie, die Karriere und alle politischen Stationen von Friedrich Merz nach – mit Tabelle, Bildern und Antworten auf die häufigsten Fragen.

    Friedrich Merz im CDU-Wahlkampf 2024 in Erfurt
    Friedrich Merz im CDU-Wahlkampf in Erfurt im August 2024. Foto: Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

    In diesem Artikel

    1. Wer ist Friedrich Merz?
    2. Wie wurde Friedrich Merz Bundeskanzler?
    3. Welche Stationen prägten die Karriere von Friedrich Merz?
    4. Was machte Friedrich Merz in der Wirtschaft?
    5. Wofür steht Friedrich Merz politisch?
    6. Wie lebt Friedrich Merz privat?
    7. Wie beliebt ist Friedrich Merz im Herbst 2026?
    8. Die wichtigsten Stationen von Friedrich Merz im Überblick
    9. Häufige Fragen zu Friedrich Merz
    10. Weiterlesen

    Wer ist Friedrich Merz?

    Friedrich Merz, mit vollem Namen Joachim-Friedrich Martin Josef Merz, wurde am 11. November 1955 in Brilon im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) geboren. Er ist ein deutscher Politiker der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU), deren Bundesvorsitzender er seit 2022 ist. Seit dem 6. Mai 2025 amtiert Friedrich Merz als zehnter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und steht damit an der Spitze der Bundesregierung. Zuvor war Friedrich Merz unter anderem Mitglied des Europäischen Parlaments (1989–1994), langjähriger Bundestagsabgeordneter (1994–2009 und erneut seit 2021) sowie zweimal Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (2000–2002 und 2022–2025). Der studierte Jurist arbeitete parallel und zwischen seinen politischen Ämtern als Rechtsanwalt und Manager, unter anderem als Partner der Kanzlei Mayer Brown und als Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Asset Management Deutschland. Damit verbindet Friedrich Merz wie kaum ein zweiter aktiver deutscher Spitzenpolitiker eine klassische Parteikarriere mit einer langjährigen Tätigkeit in der internationalen Wirtschaft.

    Bekannt wurde Friedrich Merz in den frühen 2000er-Jahren als wirtschaftspolitischer Kopf der Union und als Gegenspieler von Angela Merkel: Als sie 2002 den Fraktionsvorsitz übernahm, zog sich Friedrich Merz aus der ersten Reihe der Bundespolitik zurück. Erst nach der Wahlniederlage der CDU bei der Bundestagswahl 2021 und dem Rückzug von Armin Laschet kehrte Friedrich Merz an die Parteispitze zurück – und führte die Union bei der Bundestagswahl 2025 als Kanzlerkandidat zum Wahlsieg.

    Wie wurde Friedrich Merz Bundeskanzler?

    Der Weg von Friedrich Merz ins Bundeskanzleramt begann mit dem Sieg von CDU und CSU bei der Bundestagswahl im Februar 2025. Nach der Wahl verhandelten Union und SPD einen Koalitionsvertrag, der am 5. Mai 2025 unterzeichnet wurde. Damit war der Weg frei für die Kanzlerwahl im Deutschen Bundestag – doch sie entwickelte sich zu einem beispiellosen politischen Drama.

    Am 6. Mai 2025 scheiterte Friedrich Merz im ersten Wahlgang überraschend: Er erhielt nur 310 Stimmen, sechs weniger als die erforderliche Kanzlermehrheit von 316 Stimmen. Noch nie war ein designierter Kanzler im ersten Wahlgang durchgefallen. Erst im zweiten Wahlgang am selben Tag erreichte Friedrich Merz mit 325 Stimmen die notwendige Mehrheit. Anschließend ernannte ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Bundeskanzler; bei der Vereidigung im Bundestag sprach Friedrich Merz die Eidesformel mit Gottesbezug („So wahr mir Gott helfe“). Das Kabinett Merz aus CDU, CSU und SPD nahm noch am selben Tag seine Arbeit auf.

    Noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik war ein designierter Bundeskanzler im ersten Wahlgang gescheitert: Die 310 Ja-Stimmen für Friedrich Merz lagen sechs unter der erforderlichen Kanzlermehrheit von 316. Die Stunden zwischen den beiden Wahlgängen am 6. Mai 2025 gehörten zu den dramatischsten der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte, bevor die Fraktionsspitzen von Union und SPD Geschlossenheit signalisierten und Friedrich Merz im zweiten Anlauf mit 325 Stimmen gewählt wurde.

    Friedrich Merz beim EPP-Kongress in Rotterdam
    Friedrich Merz beim Kongress der Europäischen Volkspartei (EVP) in Rotterdam. Foto: European People’s Party / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

    Welche Stationen prägten die Karriere von Friedrich Merz?

    Die politische Laufbahn von Friedrich Merz begann auf europäischer Ebene: Von 1989 bis 1994 saß er als Abgeordneter im Europäischen Parlament. 1994 wechselte Friedrich Merz in den Deutschen Bundestag, dem er bis 2009 angehörte. Sein steiler Aufstieg gipfelte im Jahr 2000, als er nach dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde – mit nur 44 Jahren einer der jüngsten Fraktionschefs der Unionsgeschichte. Doch der Machtkampf mit Angela Merkel, die 2000 den CDU-Vorsitz übernommen hatte, entschied die Kanzlerin 2002 für sich: Merkel übernahm auch den Fraktionsvorsitz, Friedrich Merz wurde Vizefraktionschef und zog sich 2009 schließlich ganz aus dem Bundestag zurück.

    Die Jahre 2009 bis 2021 verbrachte Friedrich Merz überwiegend in der Wirtschaft (siehe unten). Die Rückkehr in die Politik erfolgte schrittweise: Bei der Bundestagswahl 2021 gewann Friedrich Merz das Direktmandat im Hochsauerlandkreis und zog erneut in den Bundestag ein. Anfang 2022 wählte ihn die CDU zum Bundesvorsitzenden – als Nachfolger von Armin Laschet. Im Februar 2026 wurde Friedrich Merz mit 91,2 Prozent der Delegiertenstimmen als CDU-Chef wiedergewählt. Von 2022 bis 2025 führte Friedrich Merz zudem erneut die Unionsfraktion an, diesmal als Oppositionsführer gegen die Ampelkoalition von Olaf Scholz.

    Was machte Friedrich Merz in der Wirtschaft?

    Nach dem Jurastudium schlug Friedrich Merz zunächst die klassische Juristenlaufbahn ein: 1985/86 war er Richter auf Probe am Amtsgericht Saarbrücken, von 1986 bis 1989 arbeitete er als Syndikus beim Verband der Chemischen Industrie (VCI). Als Rechtsanwalt wurde Friedrich Merz 2005 Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Mayer Brown. Seine prominenteste Wirtschaftsstation war der Vorsitz des Aufsichtsrats von BlackRock Asset Management Deutschland von 2016 bis 2020 – eine Tätigkeit, die ihm in späteren Wahlkämpfen immer wieder kritische Fragen zu möglichen Interessenkonflikten einbrachte.

    Daneben engagierte sich Friedrich Merz in der transatlantischen Verständigung: Als Vorsitzender der Atlantik-Brücke setzte er sich für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein. Seine zahlreichen Nebentätigkeiten und Aufsichtsratsmandate machten Friedrich Merz zu einem der vermögendsten deutschen Spitzenpolitiker – ein Umstand, den er selbst stets offen thematisierte und der sein Image als Wirtschaftsexperte prägte.

    Friedrich Merz im Jahr 2026 als Bundeskanzler
    Friedrich Merz im Jahr 2026 als amtierender Bundeskanzler. Foto: Stenbocki maja / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

    Wofür steht Friedrich Merz politisch?

    Friedrich Merz gilt als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels der CDU. Zentrale Leitbegriffe seiner Politik sind die Soziale Marktwirtschaft, solide Staatsfinanzen und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. In der Migrationspolitik trat Friedrich Merz für eine deutlich restriktivere Linie ein als seine Vorgängerin Angela Merkel – sein umstrittenes „Zustrombegrenzungsgesetz“ scheiterte Anfang 2025 noch im Bundestag, prägte aber die Debatte des Wahlkampfs.

    Außenpolitisch positionierte sich Friedrich Merz klar an der Seite der Ukraine und für eine stärkere europäische Verteidigungsfähigkeit. Bemerkenswert war seine Kehrtwende bei der Schuldenbremse: Noch im Wahlkampf als deren Hüter aufgetreten, ebnete Friedrich Merz nach der Wahl den Weg für ein milliardenschweres Sondervermögen für die Bundeswehr und Infrastruktur – ein Schritt, der ihm den Vorwurf des Wortbruchs von der Opposition und Zustimmung von Sicherheitspolitikern gleichermaßen einbrachte. In der Koalition mit der SPD muss Friedrich Merz seither den Spagat zwischen unionsgeführten Sparzielen und sozialdemokratischen Gestaltungsansprüchen meistern.

    Zu den innenpolitischen Vorhaben der Bundesregierung unter Friedrich Merz zählen nach eigenem Bekunden die Stärkung der Wirtschaft, der Abbau von Bürokratie sowie Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung. Kritiker werfen Friedrich Merz vor, große Ankündigungen zu machen und in der Koalition mit der SPD Kompromisse einzugehen, die seinem wirtschaftsliberalen Profil widersprächen; Unterstützer loben seine klare Haltung in der Sicherheits- und Europapolitik. Die Bewertung seiner Kanzlerschaft fällt im Herbst 2026 entsprechend gespalten aus – zwischen Anerkennung für außenpolitische Führung und Kritik an der innenpolitischen Bilanz.

    Wie lebt Friedrich Merz privat?

    Friedrich Merz ist seit 1981 mit Charlotte Merz (geborene Gass, Jahrgang 1960) verheiratet. Seine Frau ist Richterin und Direktorin des Amtsgerichts Arnsberg. Das Paar hat drei erwachsene Kinder: Sohn Philippe (geboren 1981) ist Philosoph, Tochter Constanze ist Ärztin und Tochter Carola Rechtsanwältin. Die Familie lebt in Arnsberg-Niedereimer im Sauerland; einen Zweitwohnsitz unterhält Friedrich Merz in Gmund am Tegernsee in Bayern.

    Bekannt ist Friedrich Merz auch als leidenschaftlicher Privatpilot: Er besitzt einen Flugschein und fliegt selbst – ein Hobby, das ihm in Wahlkampfzeiten gelegentlich Spott, aber auch Sympathien einbrachte. Anders als viele Berufspolitiker verbrachte Friedrich Merz einen großen Teil seines Berufslebens außerhalb der Politik in der freien Wirtschaft, was sein Selbstbild als „Mann aus der Praxis“ prägt. Sein Vermögen und seine Nebeneinkünfte legt Friedrich Merz nach eigenen Angaben offen – Transparenz, die er auch von anderen Spitzenpolitikern einfordert.

    Wie beliebt ist Friedrich Merz im Herbst 2026?

    Die Umfragewerte von Friedrich Merz gaben im Laufe des Jahres 2026 Anlass zur Sorge in der Union: Im ARD-DeutschlandTrend zeigten sich im Mai 2026 nur 16 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Friedrich Merz zufrieden. Bis Oktober 2026 sank dieser Wert auf 10 Prozent – auch die Zufriedenheit mit der Bundesregierung insgesamt lag bei nur 10 Prozent, ein historischer Tiefststand.

    Für zusätzliche Unruhe sorgte im Juli 2026 der Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion im Zuge einer Affäre um Leihmutterschaft. Es folgte eine Kabinettsumbildung: Patrick Schnieder schied am 29. Juli 2026 aus, Steffen Bilger und Carsten Linnemann rückten nach; Thorsten Frei verließ das Kabinett ebenfalls. Am 13. Oktober 2026 folgte mit dem Ausscheiden von Bärbel Bas und der Ernennung von Alexander Schweitzer ein weiterer prominenter Wechsel. Ob Friedrich Merz mit dem umgebildeten Kabinett die Wende bei den Umfragewerten schafft, gehört zu den spannendsten Fragen der deutschen Politik im Herbst 2026.

    Friedrich Merz Porträt aus dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung
    Friedrich Merz, Porträt aus dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung. Foto: CDU / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

    Die wichtigsten Stationen von Friedrich Merz im Überblick

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich dokumentierten Stationen im Leben von Friedrich Merz zusammen:

    Zeitraum Station Details
    11. November 1955 Geburt Geboren in Brilon (Sauerland, NRW) als Joachim-Friedrich Martin Josef Merz
    1985–1986 Richter auf Probe Amtsgericht Saarbrücken
    1986–1989 Syndikus Verband der Chemischen Industrie (VCI)
    1989–1994 Mitglied des Europäischen Parlaments CDU, EVP-Fraktion
    1994–2009 Mitglied des Deutschen Bundestages Direktmandat u. a. im Hochsauerlandkreis
    2000–2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Nachfolger von Wolfgang Schäuble; 2002 abgelöst durch Angela Merkel
    ab 2005 Partner bei Mayer Brown Internationale Wirtschaftskanzlei Mayer Brown
    2016–2020 Aufsichtsratsvorsitzender BlackRock Asset Management Deutschland
    seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages Rückkehr in die aktive Politik, Direktmandat Hochsauerlandkreis
    seit 2022 Bundesvorsitzender der CDU Nachfolger von Armin Laschet; Wiederwahl im Februar 2026 mit 91,2 %
    2022–2025 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Oppositionsführer gegen die Ampelkoalition
    seit 6. Mai 2025 Bundeskanzler Zehnter Bundeskanzler der Bundesrepublik; Kabinett Merz aus CDU, CSU und SPD

    Häufige Fragen zu Friedrich Merz

    Seit wann ist Friedrich Merz Bundeskanzler?

    Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde im zweiten Wahlgang mit 325 Stimmen gewählt, nachdem er im ersten Wahlgang überraschend gescheitert war – ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.

    Welcher Partei gehört Friedrich Merz an?

    Friedrich Merz gehört der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) an, deren Bundesvorsitzender er seit 2022 ist. Im Februar 2026 wurde er mit 91,2 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

    Was hat Friedrich Merz vor seiner Kanzlerschaft beruflich gemacht?

    Friedrich Merz ist studierter Jurist. Er war Richter auf Probe, Syndikus beim VCI, Partner der Kanzlei Mayer Brown und von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Deutschland. Parallel war er über viele Jahre Bundestagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender.

    Ist Friedrich Merz verheiratet und hat er Kinder?

    Ja. Friedrich Merz ist seit 1981 mit Charlotte Merz (geborene Gass) verheiratet, die als Richterin und Direktorin des Amtsgerichts Arnsberg arbeitet. Das Paar hat drei erwachsene Kinder: Philippe, Constanze und Carola.

    Wo wohnt Friedrich Merz?

    Friedrich Merz lebt mit seiner Familie in Arnsberg-Niedereimer im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Einen Zweitwohnsitz unterhält er in Gmund am Tegernsee in Bayern.

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